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Lymphödem, Lipödem oder venöse Schwellung: Wann hilft lymphologische Physiotherapie?

vor 1 Tag
4 Min. Lesezeit

Schwellungen können verschiedene Gründe haben. Beim Lymphödem ist der Abfluss der Lymphflüssigkeit gestört – entweder weil das Lymphsystem von Geburt an geschwächt ist oder weil es durch eine Erkrankung, Operation oder Verletzung überlastet wird. Das Lipödem hingegen ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die vor allem an Armen und Beinen auftritt und häufig Schmerzen verursacht. Beide Erkrankungen benötigen eine eigene, gezielte Behandlung, damit Beschwerden gelindert und das Gewebe geschützt werden kann.


In der lymphologischen Physiotherapie wird deshalb zuerst untersucht, welche Körperbereiche betroffen sind, wie sich Haut und Gewebe anfühlen und welche Ursache hinter der Schwellung steht. Die Behandlung wird individuell auf Beschwerden und Alltag abgestimmt.


Primäres Lymphödem


Beim primären Lymphödem ist das Lymphsystem von Geburt an nicht vollständig entwickelt oder in seiner Funktion eingeschränkt. Beschwerden können bereits im Kindes- oder Jugendalter, aber auch erst später auftreten.


Ein Lymphödem kann an Armen und Beinen, im Gesicht, am Rumpf oder im Genitalbereich entstehen. Typisch sind Schwellungen, Spannungs- und Schweregefühle sowie Verhärtungen des Gewebes.


Sekundäres Lymphödem


Ein sekundäres Lymphödem entsteht durch eine Schädigung zuvor funktionierender Lymphabflusswege. Mögliche Ursachen sind:


  • Entfernung oder Verletzung von Lymphknoten

  • Krebsoperationen und Radiotherapie

  • andere operative Eingriffe

  • schwere Unfälle mit ausgeprägten Gewebeverletzungen

  • Entzündungen oder Infektionen


Die Schwellung kann direkt nach der Schädigung auftreten oder erst Monate bis Jahre später.

Bleibt eiweissreiche Lymphflüssigkeit lange im Gewebe, können Verhärtungen (Fibrosen) entstehen. Diese lassen sich mit speziellen manuellen Techniken gezielt behandeln.


Lipödem


Das Lipödem ist eine chronische, meist symmetrische und disproportionale Fettverteilungsstörung der Arme oder Beine. Es betrifft fast ausschliesslich Frauen. Typisch sind Druck- und Berührungsschmerzen, Schweregefühle sowie eine verstärkte Neigung zu Hämatomen. Hände und Füsse sind beim klassischen Lipödem nicht betroffen.


Eine schmerzlose, disproportionale Fettverteilung entspricht nicht der Definition eines Lipödems. Sie wird als Lipohypertrophie bezeichnet.


Die konservative Behandlung eines Lipödems kann individuell angepasste Kompressionsstrümpfe, Bewegungstherapie und Ernährungsberatung umfassen. Manuelle Lymphdrainage kann Schmerzen und Spannungsgefühle lindern, entfernt aber beim reinen Lipödem kein Fettgewebe.


Bei anhaltenden Beschwerden kann eine lymphgefässschonende Liposuktionosuktion in Betracht gezogen werden. Auch vor und nach dem Eingriff ist eine lymphologische Begleitung mit Kompression, Bewegung und bei Bedarf manueller Lymphdrainage sinnvoll.



Phlebolymphödem


Bei venösen Erkrankungen wie einer chronischen Venenschwäche wird Flüssigkeit nicht ausreichend über die Venen zurücktransportiert. Das Lymphsystem muss diese Mehrbelastung ausgleichen und kann überfordert werden. Dann entsteht ein Phlebolymphödem.

Typisch sind Schwellungen an Füssen und Unterschenkeln, Spannungs- und Schweregefühle sowie Haut- und Gewebeveränderungen. Die Kompressionstherapie ist hier besonders wichtig.


Physiotherapeutische Behandlung Symbolbild (KI generiert)
Physiotherapeutische Behandlung Symbolbild (KI generiert)

Wie wird behandelt?


Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Ausprägung und betroffener Körperregion. Bei einem chronischen Lymphödem erfolgt sie häufig in zwei Phasen:


  • Entstauungsphase: Manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbandagierung, Bewegung, Hautpflege und bei Bedarf die Behandlung von Fibrosen.

  • Erhaltungsphase: Individuell angepasste Kompressionsstrümpfe oder andere Kompressionsversorgungen stabilisieren das erreichte Ergebnis.


Die Kompression ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Sie sollte möglichst konsequent und passend zur persönlichen Situation getragen werden.

Die manuelle Lymphdrainage ergänzt die Behandlung abhängig vom Befund und unterstützt die Entstauung.


Auch Bewegung aktiviert die Muskel- und Gelenkpumpe und fördert den Flüssigkeitstransport. Geeignet sind beispielsweise Gehen, Krafttraining, Schwimmen und Aquajogging.

Beim Training im Wasser wirkt der hydrostatische Druck wie eine natürliche Kompression. Studien zeigen mögliche positive Effekte auf Schwellung, Beweglichkeit und Lebensqualität. Die wissenschaftliche Datenlage zur Wassertherapie bei Lymphödemen ist jedoch noch begrenzt.


Eine ausgewogene, entzündungsarme und salzbewusste Ernährung kann die Behandlung unterstützen. Ein hoher Salzkonsum kann Wassereinlagerungen begünstigen und sollte möglichst vermieden werden. Beim Lipödem kann eine Ernährungsberatung zusätzlich helfen, Begleiterkrankungen und Übergewicht zu berücksichtigen. Eine bestimmte Ernährungsform kann ein Lymphödem oder das veränderte Fettgewebe beim Lipödem jedoch nicht beseitigen.


Operative Behandlungsmöglichkeiten


Bei ausgewählten Betroffenen mit einem primären oder sekundären Lymphödem können zusätzlich mikrochirurgische Verfahren infrage kommen.

Bei einer lymphovenösen Anastomose werden geeignete Lymphgefässe mit kleinen Venen verbunden. Dadurch entsteht ein neuer Abflussweg, über den Lymphflüssigkeit in das Venensystem geleitet werden kann. Daneben gibt es weitere operative Verfahren, beispielsweise die Transplantation von Lymphknoten.


Vor einem solchen Eingriff erfolgt eine genaue fachärztliche Abklärung. Eine intensive Entstauung vor der Operation kann helfen, das Gewebe bestmöglich auf den Eingriff vorzubereiten. Auch danach kann eine individuell abgestimmte lymphologische Behandlung mit Kompression, manueller Lymphdrainage und Bewegung notwendig sein.


Individuelle Behandlung und interdisziplinäre Zusammenarbeit


In unserer Praxis Therapie Kreuzplatz in Zürich behandeln wir Menschen mit primären und sekundären Lymphödemen, Lipödem sowie venös bedingten und phlebolymphatischen Schwellungen individuell und nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand.

Ein enger Austausch mit Angiologie, Phlebologie, plastischer Chirurgie, weiteren behandelnden Fachpersonen sowie spezialisierten Bandagistinnen und Bandagisten ist uns dabei besonders wichtig. Ziel der lymphologischen Physiotherapie ist es, den Lymphabfluss zu unterstützen, Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren, das Gewebe zu stabilisieren und Beweglichkeit sowie Belastbarkeit zu erhalten.


Über die Autorin


Lisa Lange ist diplomierte Physiotherapeutin und absolviert derzeit den CAS Klinische Expertise in lymphologischer Physiotherapie an der ZHAW. 



Wissenschaftliche Quellen

  • Executive Committee of the International Society of Lymphology. The Diagnosis and Treatment of Peripheral Lymphedema: 2023 Consensus Document of the International Society of Lymphology. Lymphology. 2023;56(4):133–151. PubMed

  • DiCecco S et al. Complete decongestive therapy phase 1: an expert consensus document. Medical Oncology. 2024;41(12):304. Springer

  • Faerber G et al. S2k-Leitlinie Lipödem. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. 2024;22:1303–1316. AWMF-Registernummer 037-012. Wiley Online Library

  • Rabe E et al. Indications for medical compression stockings in venous and lymphatic disorders: An evidence-based consensus statement. Phlebology. 2018;33(3):163–184. SAGE Journals

  • Maccarone MC et al. Water-based exercise for upper and lower limb lymphedema treatment. Journal of Vascular Surgery: Venous and Lymphatic Disorders. 2023;11(1):201–209. PubMed

  • Zapata-Ospina A et al. Effectiveness of Lymphovenular Anastomosis and Complex Decongestive Therapy for the Treatment of Lymphedema in Patients with Breast Cancer: A Systematic Review. Lymphatic Research and Biology. 2024;22(5):232–240. PubMed

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