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Physiotherapie nach Brustkrebs: Was hilft bei Narben, Cording und Schwellungen?

8. Sept.
4 Min. Lesezeit

Nach einer Brustkrebsoperation oder Radiotherapie können Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen auftreten. Der Arm lässt sich möglicherweise nicht mehr vollständig anheben, die Narbe spannt oder das Gewebe im Bereich der Brust und Achsel fühlt sich fest und unbeweglich an.


Eine gezielte physiotherapeutische und lymphologische Behandlung kann die Heilung unterstützen und dabei helfen, Beweglichkeit und Belastbarkeit wieder aufzubauen.

Welche Beschwerden auftreten und wie ausgeprägt sie sind, ist von Person zu Person unterschiedlich. Die folgenden Veränderungen können vorkommen, müssen aber keinesfalls alle auftreten.

 

Narben und eingeschränkte Beweglichkeit

Nach einer brusterhaltenden Operation, Mastektomie oder Rekonstruktion können Narben und Verklebungen die Beweglichkeit von Haut, Unterhaut und umliegendem Gewebe einschränken. Mögliche Folgen sind:


  • Spannungsgefühle an Brust, Brustkorb oder Achsel

  • Schmerzen bei Armbewegungen

  • eingeschränkte Schulterbeweglichkeit

  • eine Schonhaltung

  • verminderte Belastbarkeit des Armes


Die Bewegungseinschränkung entsteht häufig unmittelbar durch den Eingriff, das Narbengebiet und die veränderte Gewebespannung. Sie entwickelt sich nicht nur, weil der Arm zunächst vorsichtiger bewegt wird.


Nach ausreichender Wundheilung können gezielte Bewegungsübungen, Narbenbehandlung, Mobilisation und ein schrittweiser Belastungsaufbau helfen. Studien zeigen, dass bewegungsbasierte Rehabilitation die Schulterbeweglichkeit, Armfunktion, Muskelkraft und Lebensqualität nach einer Brustkrebsoperation verbessern kann.



Frau liegt auf Liege in der Physiotherapie
Frau liegt auf Liege in der Physiotherapie

Cording oder Axillary Web Syndrome

Beim Cording entstehen ein oder mehrere gespannte Stränge, die häufig von der Achsel über die Innenseite des Oberarms bis zum Ellenbogen oder Unterarm verlaufen. Manchmal reichen sie bis in die Hand. Seltener können solche Stränge auch im Bereich der Brust auftreten.

Cording kann:


  • bei Bewegung ziehen oder schmerzen

  • die Schulterbeweglichkeit einschränken

  • das vollständige Anheben des Armes erschweren

  • als gespannter Strang sichtbar oder tastbar sein


Physiotherapeutisch werden vor allem individuell angepasste Bewegungs- und Dehnübungen eingesetzt. Ergänzend können vorsichtige manuelle Techniken und die Behandlung angrenzender Narben und Gewebestrukturen sinnvoll sein.


Serom und Hämatom

Ein Serom ist eine Ansammlung von Wundflüssigkeit im Operationsgebiet. Die betroffene Region kann geschwollen sein, spannen oder sich wie ein Flüssigkeitspolster anfühlen. Grössere oder anhaltende Serome können ärztlich punktiert werden.


Nach medizinischer Beurteilung kann eine gezielte Kompression bei ausgewählten Seromen helfen, den Schwellungsbereich zu stabilisieren. Sie muss an die Wundsituation, Schmerzen und Lokalisation angepasst werden.


Auch Hämatome können nach einer Operation auftreten. Sie werden abhängig von Ausprägung, Heilungsverlauf und ärztlichem Befund physiotherapeutisch begleitet.


Schwellung an Brust und Brustkorb

Nach einer Operation oder Radiotherapie können Schwellungen im Bereich der Brust und des angrenzenden Brustkorbs entstehen. Die Brust kann sich schwer, gespannt oder fester anfühlen. Möglich sind ausserdem:


  • ein Grössenunterschied zwischen beiden Seiten

  • vergrössert erscheinende Hautporen

  • festeres oder weniger verschiebliches Gewebe

  • Druckempfindlichkeit

  • Spannungsgefühle an Brust oder Brustkorb


Bei länger bestehenden Schwellungen kann das Gewebe zunehmend fibrosieren und sich verhärten. Eine lymphologische Behandlung kann den Lymphabfluss unterstützen. Je nach Befund kommen manuelle Lymphdrainage, spezielle Techniken zur Lockerung fibrotischen Gewebes sowie individuell angepasste Kompressions-BHs, Brustkompressionen oder Aktivpolster zum Einsatz.


Sekundäres Lymphödem an Arm und Hand

Durch die Entfernung oder Schädigung von Lymphknoten und Lymphgefässen sowie durch eine Radiotherapie kann die Transportkapazität des Lymphsystems vermindert werden. Dadurch kann ein sekundäres Lymphödem entstehen.

Mögliche erste Anzeichen sind:


  • Schwere- oder Spannungsgefühl

  • sichtbare oder tastbare Schwellung

  • Abdrücke von Kleidung, Schmuck oder BH

  • Grössenunterschiede zwischen beiden Armen

  • eine Schwellung von Hand oder Fingern

  • zunehmend festeres Gewebe

  • eingeschränkte Beweglichkeit


Ein Lymphödem kann Arm, Hand, Brust und den angrenzenden Brustkorb betreffen. Nicht jede vorübergehende Schwellung nach einer Operation ist jedoch bereits ein chronisches Lymphödem.


Wie kann Physiotherapie helfen?

Die Behandlung wird individuell an Operation, Wundheilung, Beschwerden und Belastbarkeit angepasst. Mögliche Bestandteile sind:


  • gezielte Übungen für Schulter und Arm

  • vorsichtige Mobilisation und Dehnung

  • Narben- und Gewebebehandlung

  • Behandlung eines Cording

  • manuelle Lymphdrainage bei entsprechender Indikation

  • Fibrose- und Gewebetechniken

  • Kompressionsbandagierung von Hand und Arm

  • individuell angepasste Kompression an Brust oder Brustkorb

  • Anleitung zu Bewegung und Selbstmanagement

  • schrittweiser Wiederaufbau von Kraft und Belastbarkeit


Bei einem ausgeprägten Lymphödem erfolgt die Entstauung häufig zunächst mit Kompressionsbandagen. Anschliessend wird das Ergebnis mit einer medizinischen Kompressionsversorgung stabilisiert. Manuelle Lymphdrainage kann die Behandlung unterstützen, ersetzt bei einem chronischen Lymphödem aber nicht die Kompression.


Individuelle Begleitung und interdisziplinäre Zusammenarbeit

In unserer Praxis Therapie Kreuzplatz in Zürich behandeln wir Menschen mit Beschwerden während und nach einer Brustkrebsbehandlung individuell und nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand.

Ein enger Austausch mit spezialisierten Brustzentren, Breast Care Nurses, Onkologie, Brustchirurgie und weiteren behandelnden Fachpersonen ist uns dabei besonders wichtig. Ziel der Physiotherapie ist es, den Lymphabfluss zu unterstützen, Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren und Beweglichkeit sowie Belastbarkeit wiederherzustellen.


Über die Autorin

Lisa Lange ist diplomierte Physiotherapeutin und absolviert derzeit den CAS Klinische Expertise in lymphologischer Physiotherapie an der ZHAW. Durch ihre eigene Brustkrebserfahrung verbindet sie fundiertes Fachwissen mit einem besonderen Verständnis für die körperlichen und emotionalen Herausforderungen während und nach einer Brustkrebsbehandlung.




Wissenschaftliche Quellen

  • Xue T, Zhang L, Zhang D. Exercise-based interventions for postoperative rehabilitation in breast cancer patients: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Medicine. 2025;104(34). PubMed

  • Li Y et al. Effect of physical exercise on postoperative shoulder mobility and upper limb function in patients with breast cancer: a systematic review and meta-analysis. Gland Surgery. 2024. PubMed

  • González-Rubino JB et al. Effectiveness of physical therapy in axillary web syndrome after breast cancer: a systematic review and meta-analysis. Supportive Care in Cancer. 2023;31:257. PubMed

  • Agostini F et al. Axillary Web Syndrome in Breast Cancer Women: What Is the Optimal Rehabilitation Strategy after Surgery? A Systematic Review. Journal of Clinical Medicine. 2022;11(13):3839. PubMed

  • DiCecco S et al. Complete decongestive therapy phase 1: an expert consensus document. Medical Oncology. 2024;41(12):304. Springer

  • International Society of Lymphology. The Diagnosis and Treatment of Peripheral Lymphedema: 2023 Consensus Document of the International Society of Lymphology. Lymphology. 2023. PubMed


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