Physiotherapie nach Brustkrebs: Was hilft bei Narben, Cording und Schwellungen?
Nach einer Brustkrebsoperation oder Radiotherapie können Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen auftreten. Der Arm lässt sich möglicherweise nicht mehr vollständig anheben, die Narbe spannt oder das Gewebe im Bereich der Brust und Achsel fühlt sich fest und unbeweglich an.
Eine gezielte physiotherapeutische und lymphologische Behandlung kann die Heilung unterstützen und dabei helfen, Beweglichkeit und Belastbarkeit wieder aufzubauen.
Welche Beschwerden auftreten und wie ausgeprägt sie sind, ist von Person zu Person unterschiedlich. Die folgenden Veränderungen können vorkommen, müssen aber keinesfalls alle auftreten.
Narben und eingeschränkte Beweglichkeit
Nach einer brusterhaltenden Operation, Mastektomie oder Rekonstruktion können Narben und Verklebungen die Beweglichkeit von Haut, Unterhaut und umliegendem Gewebe einschränken. Mögliche Folgen sind:
Spannungsgefühle an Brust, Brustkorb oder Achsel
Schmerzen bei Armbewegungen
eingeschränkte Schulterbeweglichkeit
eine Schonhaltung
verminderte Belastbarkeit des Armes
Die Bewegungseinschränkung entsteht häufig unmittelbar durch den Eingriff, das Narbengebiet und die veränderte Gewebespannung. Sie entwickelt sich nicht nur, weil der Arm zunächst vorsichtiger bewegt wird.
Nach ausreichender Wundheilung können gezielte Bewegungsübungen, Narbenbehandlung, Mobilisation und ein schrittweiser Belastungsaufbau helfen. Studien zeigen, dass bewegungsbasierte Rehabilitation die Schulterbeweglichkeit, Armfunktion, Muskelkraft und Lebensqualität nach einer Brustkrebsoperation verbessern kann.

Cording oder Axillary Web Syndrome
Beim Cording entstehen ein oder mehrere gespannte Stränge, die häufig von der Achsel über die Innenseite des Oberarms bis zum Ellenbogen oder Unterarm verlaufen. Manchmal reichen sie bis in die Hand. Seltener können solche Stränge auch im Bereich der Brust auftreten.
Cording kann:
bei Bewegung ziehen oder schmerzen
die Schulterbeweglichkeit einschränken
das vollständige Anheben des Armes erschweren
als gespannter Strang sichtbar oder tastbar sein
Physiotherapeutisch werden vor allem individuell angepasste Bewegungs- und Dehnübungen eingesetzt. Ergänzend können vorsichtige manuelle Techniken und die Behandlung angrenzender Narben und Gewebestrukturen sinnvoll sein.
Serom und Hämatom
Ein Serom ist eine Ansammlung von Wundflüssigkeit im Operationsgebiet. Die betroffene Region kann geschwollen sein, spannen oder sich wie ein Flüssigkeitspolster anfühlen. Grössere oder anhaltende Serome können ärztlich punktiert werden.
Nach medizinischer Beurteilung kann eine gezielte Kompression bei ausgewählten Seromen helfen, den Schwellungsbereich zu stabilisieren. Sie muss an die Wundsituation, Schmerzen und Lokalisation angepasst werden.
Auch Hämatome können nach einer Operation auftreten. Sie werden abhängig von Ausprägung, Heilungsverlauf und ärztlichem Befund physiotherapeutisch begleitet.
Schwellung an Brust und Brustkorb
Nach einer Operation oder Radiotherapie können Schwellungen im Bereich der Brust und des angrenzenden Brustkorbs entstehen. Die Brust kann sich schwer, gespannt oder fester anfühlen. Möglich sind ausserdem:
ein Grössenunterschied zwischen beiden Seiten
vergrössert erscheinende Hautporen
festeres oder weniger verschiebliches Gewebe
Druckempfindlichkeit
Spannungsgefühle an Brust oder Brustkorb
Bei länger bestehenden Schwellungen kann das Gewebe zunehmend fibrosieren und sich verhärten. Eine lymphologische Behandlung kann den Lymphabfluss unterstützen. Je nach Befund kommen manuelle Lymphdrainage, spezielle Techniken zur Lockerung fibrotischen Gewebes sowie individuell angepasste Kompressions-BHs, Brustkompressionen oder Aktivpolster zum Einsatz.
Sekundäres Lymphödem an Arm und Hand
Durch die Entfernung oder Schädigung von Lymphknoten und Lymphgefässen sowie durch eine Radiotherapie kann die Transportkapazität des Lymphsystems vermindert werden. Dadurch kann ein sekundäres Lymphödem entstehen.
Mögliche erste Anzeichen sind:
Schwere- oder Spannungsgefühl
sichtbare oder tastbare Schwellung
Abdrücke von Kleidung, Schmuck oder BH
Grössenunterschiede zwischen beiden Armen
eine Schwellung von Hand oder Fingern
zunehmend festeres Gewebe
eingeschränkte Beweglichkeit
Ein Lymphödem kann Arm, Hand, Brust und den angrenzenden Brustkorb betreffen. Nicht jede vorübergehende Schwellung nach einer Operation ist jedoch bereits ein chronisches Lymphödem.
Wie kann Physiotherapie helfen?
Die Behandlung wird individuell an Operation, Wundheilung, Beschwerden und Belastbarkeit angepasst. Mögliche Bestandteile sind:
gezielte Übungen für Schulter und Arm
vorsichtige Mobilisation und Dehnung
Narben- und Gewebebehandlung
Behandlung eines Cording
manuelle Lymphdrainage bei entsprechender Indikation
Fibrose- und Gewebetechniken
Kompressionsbandagierung von Hand und Arm
individuell angepasste Kompression an Brust oder Brustkorb
Anleitung zu Bewegung und Selbstmanagement
schrittweiser Wiederaufbau von Kraft und Belastbarkeit
Bei einem ausgeprägten Lymphödem erfolgt die Entstauung häufig zunächst mit Kompressionsbandagen. Anschliessend wird das Ergebnis mit einer medizinischen Kompressionsversorgung stabilisiert. Manuelle Lymphdrainage kann die Behandlung unterstützen, ersetzt bei einem chronischen Lymphödem aber nicht die Kompression.
Individuelle Begleitung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
In unserer Praxis Therapie Kreuzplatz in Zürich behandeln wir Menschen mit Beschwerden während und nach einer Brustkrebsbehandlung individuell und nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand.
Ein enger Austausch mit spezialisierten Brustzentren, Breast Care Nurses, Onkologie, Brustchirurgie und weiteren behandelnden Fachpersonen ist uns dabei besonders wichtig. Ziel der Physiotherapie ist es, den Lymphabfluss zu unterstützen, Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren und Beweglichkeit sowie Belastbarkeit wiederherzustellen.
Über die Autorin
Lisa Lange ist diplomierte Physiotherapeutin und absolviert derzeit den CAS Klinische Expertise in lymphologischer Physiotherapie an der ZHAW. Durch ihre eigene Brustkrebserfahrung verbindet sie fundiertes Fachwissen mit einem besonderen Verständnis für die körperlichen und emotionalen Herausforderungen während und nach einer Brustkrebsbehandlung.
Wissenschaftliche Quellen
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